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03
Jun

Der polnische Automobilmarkt – Gut entwickelte Marktstrukturen mit interessanten Perspektiven

Die Automobilindustrie ist eine der beudeutendsten Wirtschaftszweige in Polen:

  • 16 von 40 in Osteuropa vorhandenen Fahrzeug- und Motorfabriken sind in Polen.
  • Fiat, VW und GM-Opel sind die drei wichtigsten Pkw-Hersteller im Land.
  • Bei der Busproduktion ist Polen drittgrößter Hersteller in Europa. Der polnische Bushersteller Solaris beliefert auch Großstädte im Ausland. Die in Polen produzierten Busse von MAN, Solaris, Volvo, Scania werden mit den Triebwerken Diesel, Hybrid, CNG sowie Elektro ausgestattet.
  • In Polen sind insgesamt 19,4 Mio. Pkw und rund 3 Mio. Lkw zugelassen.
  • Die rund 900 Unternehmen aus dem Automobilsektor erwirtschafteten im Jahr 2013 einen Umsatz von circa 14 Mrd. Euro, was gleichbedeutend mit einem Umsatzzuwachs um 10% gegenüber dem Vorjahr war.

Das Jahr 2013 war das beste Verkaufsjahr von Neuwagen in Polen. Es wurden insgesamt 331.655 PKWs und Leichttransporter verkauft. Das sind 20 Tsd. Fahrzeuge mehr als im Vorjahr. Dieser erhöhte Abastz wurde stark vom Reexport beeinflusst. Gleichzeitig ist der Anteil der Privatkäufer an den Neuwagenkäufen mit derzeit rund 42% relativ niedrig.

Das Premium- und Luxussegment erlebt insgesamt einen starken Aufwärtstrend. Marken wie Aston Martin, Bentley, Ferrari oder Maserati wachsen teilweise dreistellig, wobei die absoluten Verkaufszahlen noch im niedrigen zweistelligen Bereich verbleiben. Der Verkauf im Luxussegment ist im Jahr 2013 um 97% gestiegen. Auch im Premiumsegment war ein Wachstum zu beobachten: BMW +13%, Mercedes +17%, Audi +9%, Volvo +10%, Lexus +48%. Im Fall von Lexus ist das mit 882 Fahrzeugen in 2013 jedoch noch ein großer Rückstand auf die anderen Marken. Insgesamt wurden fast 25.000 Neuwagen im Premiumsegment im Jahr 2013 verkauft, ein Jahr zuvor waren es rund 22.000. Der Marktanteil von Premium- und Luxussegment zusammen beträgt nach dem Volumen circa 8,5% und nach dem Wert ca. 20%. Die meisten Autos verkaufte Skoda (36.410 Fahrzeuge), Volkswagen (25.869 Fahrzeuge) und Toyota (23.477 Fahrzeuge). Der Markt für Elektroautos ist indes kaum vorhanden. Gute Verkaufsergebnisse wurden auch bei leichten Nutzfahrzeugen erzielt (Anstieg der Neuregistrierungen um 7,9% im Jahresvergleich), bei Lkw (Anstieg der Neuregistrierungen um bis zu 18,1% im Jahresvergleich) und Anhänger (Anstieg der Neuregistrierungen um bis zu 40,1% im Jahresvergleich).

Das Gebrauchtwagensegment spielt in Polen weiterhin die größte Rolle. Interessant ist, dass beinahe 80% der Gebrauchtwagen auf dem polnischen Markt aus dem Ausland stammt. Auf dem ersten Platz unter den Herkunftsländern der importierten Gebrauchtwagen liegt Deutschland (38%-Anteil), gefolgt von Belgien (12%-Anteil), Niederlande (11%-Anteil) und Italien (8%-Anteil). Nur 21 Prozent der Gebrauchtfahrzeuge sind polnischer Herkunft.

Mit der wachsenden Anzahl von gebrauchten Fahrzeugen und dem höheren Alter vieler zugelassener Fahrzeuge wächst auch der Bedarf an Fahrzeugersatzteilen in Polen. Obwohl Polen eine hohe Dichte an Autowerkstätten hat (der Großteil sind kleine Einzelbetriebe, die sich im Preiswettbewerb befinden und die unrentabel sind) und die Reparaturpreise im Durchschnitt noch niedrig sind, ist wegen der stetig steigenden Anzahl von Gebrauchtfahrzeugen zu erwarten, dass die Ausgaben für Autoreparaturen steigen werden. Im Gegensatz zu den meisten Ländern aus Westeuropa bietet der polnische Markt daher sehr gute Wachstumschancen für Hersteller und Händler von Fahrzeugersatzteilen.

Im Jahr 2013 erreichte der verkaufte Produktionswert der polnischen Automobilindustrie insgesamt 109,2 Milliarden Zloty (ca. 27 Mrd. EUR). Dies ist ein Wachstum von 6,3% gegenüber dem Vorjahr 2012. Die Tatsache, dass Polen nicht nur attraktiver Absatzmarkt, sondern auch ein strategisch-günstiger Produktionsstandort mit Vorteilen wie „strategisch-günstige Lage in Zentral-/Osteuropa / Tor nach Russland, Technologiestandort/F&E, großer Absatzmarkt, relativ niedrige Lohnkosten, qualifiziertes Personal, EU-Fördergelder, Steuererleichterungen in den 16 Sonderwirtschaftszonen“ ist, wird durch die Entscheidung von VW ein weiteres Werk in Września zu bauen, belegt. Das neue Werk soll fast 1 Milliarde Euro kosten und soll jährlich etwa 85 Tausend Neuwagen herstellen.

Dass Polen schon seit einigen Jahren eine wichtige Rolle in Europa als Produktionsstandort spielt, bestätigt auch die hohe Anzahl von mehr als 400 niedergelassenen Zulieferbetrieben auch vieler bekannter internationaler Unternehmen.

Das Produktangebot der Zulieferer ist umfangreich: Lenkung (TRW, Nexter Automotive, Delphi, Mando Corporation, NSK), Beleuchtungsanlagen (Valeo, Automotive Lighting), Kühlsysteme (Delphi, Valeo, Hutchinson), Triebwerke (Fiat, Toyota, Volkswagen, Isuzu), Karosserie und Fahrwerk (Gedia, Kirchhoff), Sicherheitssysteme (TRW, Autoliv), Reifen (Goodyear, Michelin, Bridgestone), Autoscheiben (Pilkington, Saint-Gobain Sekurit, PGW), Innenausstattung (Boshoku, Draexlmaier, Faurecia), Sitztechnik (Sitech, Faurecia, Johnson Controls, Lear Corporation)